10 Mrz
Nicht nur ein „Wortspiel“, sondern eine Kausalkette, wenn es um die Beziehungen zwischen Menschen geht! Egal ob im privaten oder beruflichen Kontext, es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen unserer inneren Haltung und dem bestehenden Verhältnis zwischen uns und anderen Menschen. Denn unsere innere Haltung prägt unser Verhalten und die Beziehung, die daraus entsteht.
Empfinden Menschen negativen Stress und sind überfordert, dann fehlt ihnen der notwendige innere Halt und das führt in der Regel zu „anstrengenden Verhältnissen“. Oft hört man dann im Privatleben Sätze wie: „wir müssen an unserer Beziehung arbeiten“ oder im Berufsleben: „wir müssen dringend Teambuilding-Maßnahme machen“.
Doch wie und wo fangen wir damit an? Allzu oft an der falschen Stelle. Es scheint, als wollen wir die entstandenen Bedingungen korrigieren, indem wir versuchen das Verhältnis zu verändern. Wir denken, so können wir Einfluss auf den weiteren Verlauf  der Bedingungen nehmen. Warum fangen wir eigentlich nicht dort an, wo alles beginnt – an unserer Haltung?

Schauen wir uns doch einmal Douglas McGregor’s Betrachtungsweise an:

Wo würden Sie sich selbst einordnen und wo Ihre Kollegen und Mitarbeiter? Sein Sie dabei ganz ehrlich!

             

Quelle: Douglas McGregor, The Human Side Of The Enterprise, 1960

Schnell und klar würden die meisten von uns sich selbst als „Theorie-Y-Mensch“ einordnen. Interessant wird es dann, wenn es anschliessend darum geht die Anderen einzuordnen. Dann treffen wir unsere Entscheidung weniger zügig und eindeutig und denken spontan an die Mitarbeiter und Kollegen, mit denen unser „Verhältnis“ nicht immer freudig und einfach ist.

Doch Douglas McGregor hat schon 1960 nachgewiesen, dass es nur „Theorie-Y-Mensch“ gibt und die „Theorie-X“ nur ein Vorurteil und eine Vorannahme von uns ist. Vielleicht sagen Sie nun, dass Sie in Ihrem Unternehmen sofort zwei, drei Kollegen nennen können, die definitiv „Theorie-X-Menschen“ sind. Dazu sagt McGregor folgendes:

  1. Wir sind immer noch geprägt von unseren Vorfahren und unserem wenig aufgeklärtem Welt- und Gesellschaftsbild.
  2. Während wir das Verhalten anderer Menschen beobachten, neigt unsere Gehirn dazu individuelle Vorannahmen und Behauptungen über die Andere zu entwickeln, die aus der Nähe betrachtet wenig oder gar nichts mit dem Kontext und dem tatsächlichen Geschehen zu tun haben.
  3. Die Komplexität der Ereignisse überfordert uns und um verstehen zu können was geschieht, reproduziert unser Gehirn alte Eindrücke die wir im Laufe unseres Lebens gesammelt haben. Es gleicht diese mit dem Erlebten ab und produziert individuelle, leicht verständliche Gedankenausschnitte, die uns dann helfen die Dinge einzuordnen

So geschieht es ganz unbewusst, dass individuelle Vorannahmen unsere Haltung, unser Verhalten und damit die Verhältnisse intensiv prägen und beeinflussen.

Glauben Führungskräfte (Leader) an die Existenz von Theorie-X-Menschen, dann nimmt das Dilemma seinen Lauf. Alle müssen wie Maschinen funktionieren, automatisch und reibungslos.

Wollen Leader diese Logik durchbrechen und Menschen befähigen mit der Komplexität der modernen Arbeitswelt umgehen zu lernen und Schritt zu halten, dann müssen sie zunächst ihr eigenes Menschenbild überprüfen und erkennen, dass Menschen sich nur in einem wertschätzenden, vorurteilsfreien Raum entwickeln können.

Die Schwierigkeit: die meisten Unternehmer und Menschen in Führungspositionen sind darauf gedrillt  die gesetzten Ziele und positive Bilanzen zu erreichen. Das führt im Regelfall zu unnötigen Belastungen und Druck bei den handelnden Personen. Vertrauensverlust, Stress, Konflikte, Machtkämpfen und Verunsicherung sind die Folge. Es kommt zu Ausfallzeiten und Krankheiten und die zwischenmenschlichen Verhältnisse werden stark belastet. Unnötig viel Zeit und Energie werden aufgewendet, was wiederum die Organisation schwächt und zu Misserfolgen führt.

Hier schliesst sich der Kreis! Wer etwas dagegen tun will  muss bei sich selbst anfangen und OBEN am Wasserfall beginnen. Er muss die Verhältnisse, sein Verhalten und sich selbst reflektieren und an seiner inneren Haltung arbeiten. Der nötige Halt in einem Individuum, in einem Team, in einer Organisation entsteht erst dann, wenn jeder dazu bereit ist.

Ein tiefes Gefühl von Vertrauen und Kooperation entwickelt sich dort, wo sich Leader der kausalen Zusammenhänge bewusst sind. Sich reflektieren. Sich Feedback pro-aktiv einholen. Fehler nutzen um daraus zu lernen. Bereit sind sich selbst weiter zu entwickeln. Dort wo sie ihre Mitarbeiter in Analysen, Planungen und Prozesse einbeziehen. Sie kontinuierlich entwickeln. Sie befähigen reflektiert und bewusst zu denken, zu sprechen und zu handeln. Leader die ihren Kollegen und Mitarbeitern auf diese Weise begegnen sind Vorbild. Ihrer Führung und ihren Entscheidungen vertrauen die Menschen.

„Big Dogs don’t bark.“ Grosse Hunde bellen nicht. Sie haben es nicht nötig sich als Herrscher und Machthaber aufzuspielen und die Ihnen anvertrauten Menschen zu gängeln und zu unterdrücken. Sie kennen ihre Stärken, setzen diese für die Menschen ein und entwickeln gezielt die Stärken der Anderen. So entsteht wirkungsvolle Kooperation, echte Freude und gemeinsamer Erfolg.

Simon Sinek | „Leaders eat last“

Simon Sinek: Why Leaders Eat Last

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